Geprüft von Rukiye Karatag – examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Pflegedienstleitung und geprüfte Pflegeberaterin nach § 7a SGB XI.
- Auch bei guter körperlicher Mobilität ist bei Demenz ein Pflegegrad möglich.
- Entscheidend sind kognitive Einschränkungen und der Bedarf an Beaufsichtigung.
- Eine gute Vorbereitung der Begutachtung ist besonders wichtig.
- Ein Pflegetagebuch hilft, den Aufwand sichtbar zu machen.
Auch mit Demenz steht Ihnen ein Pflegegrad zu
Bei einer Demenz sind Betroffene körperlich oft noch recht fit – können den Alltag aber wegen Gedächtnis-, Orientierungs- und Antriebsproblemen nicht mehr selbstständig bewältigen. Genau das berücksichtigt die heutige Pflegebegutachtung: Es zählt nicht nur, was jemand körperlich kann, sondern wie selbstständig der Alltag insgesamt gelingt.
Warum Demenz bei der Begutachtung oft unterschätzt wird
Die Begutachtung folgt dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA) mit sechs Modulen. Für Menschen mit Demenz sind vor allem die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten sowie Verhaltensweisen und psychische Problemlagen wichtig (etwa Unruhe, nächtliches Umherlaufen, Ängste). Auch Selbstversorgung und Tagesgestaltung sind häufig betroffen, weil Betroffene angeleitet oder beaufsichtigt werden müssen. Mit unserem Pflegegradrechner erhalten Sie eine erste Orientierung.
Welcher Pflegegrad bei Demenz?
Eine pauschale Aussage ist nicht möglich, da immer die individuelle Situation zählt. In frühen Phasen wird häufig ein niedriger Pflegegrad anerkannt, mit fortschreitender Erkrankung steigt der Hilfebedarf und damit oft auch der Pflegegrad. Wichtig ist, den tatsächlichen Aufwand – gerade die ständige Beaufsichtigung – realistisch darzustellen.
So bereiten Sie die Begutachtung vor
Bei Demenz neigen Betroffene im Gespräch dazu, sich besser darzustellen, als der Alltag es zeigt. Schildern Sie deshalb einen normalen, eher schwierigen Tag und nennen Sie konkrete Beispiele. Sehr hilfreich ist ein Pflegetagebuch über ein bis zwei Wochen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie im Ratgeber MD-Begutachtung vorbereiten.
Welche Leistungen bei Demenz helfen
Mit einem Pflegegrad stehen verschiedene Leistungen zur Verfügung – etwa der Entlastungsbetrag, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie Pflegekurse für Angehörige, die im Umgang mit Demenz besonders entlasten. Welche Leistungen je nach Pflegegrad gelten, zeigt der Ratgeber Leistungen je Pflegegrad.
Wenn der Pflegegrad zu niedrig ist
Wird der Pflegegrad aus Ihrer Sicht zu niedrig festgestellt, können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Wie das geht, lesen Sie unter Widerspruch Pflegegrad – dort finden Sie auch einen Musterbrief zum Herunterladen.
Quellen und rechtliche Grundlage
Grundlage sind die Begutachtungs-Richtlinien zum NBA nach SGB XI. Im Einzelfall gilt die individuelle Begutachtung.
Sie pflegen einen Angehörigen mit Demenz und möchten den passenden Pflegegrad erreichen? Ich begleite Sie von der Vorbereitung bis zum Antrag.